#IchBinArmutsbetroffen
Diskussion- und Planungsveranstaltung des Bündnisses Rosenheim gegen Armut
Oberbayern ist eine reiche Region, aber auch hier gibt es Armut. Betroffen können Menschen sein, die alt sind und eine niedrige Rente haben, von steigenden Mieten oder Energiekosten betroffen sind, eine Scheidung hinter sich haben, krank sind oder geflüchtet. Wer seine Scham überwindet, holt sich die dringendste Hilfe von den entsprechenden Institutionen oder aus der Familie. Aber viele trauen sich gar nicht, Hilfe zu holen. Aus Scham, aus falschem Stolz, aus Angst vor den Nachbarn, aus Angst, dass die eigenen Kinder herangezogen werden … Bei den Diskussionen in der Gruppe sind wir immer wieder darauf gestoßen, dass wir theoretisches Wissen über diese Menschen und Gruppen haben.
9-Euro-Ticket
Das 9-Euro-Ticket war da plötzlich eine Möglichkeit, am Leben teilzuhaben, ohne jemanden um Hilfe fragen zu müssen. Besuche bei Verwandten oder Freunden weiter entfernt, Fahrten in die Natur, zu den Bergen und Seen der Region, Besuche im den Museen, deren Eintritt umsonst ist – einfach mal raus. All das konnten die Menschen ohne Geld nun machen: teilhaben am öffentlichen Leben, die Wohnung verlassen, Dinge machen, die viele Menschen im Umfeld als selbstverständlich empfinden. Das 9-Euro-Ticket war sozialpolitisch ein Riesenerfolg.
In der öffentlichen Diskussion über das 9-Euro-Ticket wird aber nur über eingesparte Autofahrten, weniger CO₂ oder übervolle Züge diskutiert. Auch Umweltpolitisch war das 9-Euro-Ticket ein voller Erfolg, aber der soziale Aspekt wird völlig übersehen. Und mit dem 49-Euro-Ticket im Abonnement werden arme Menschen wieder ausgeschlossen. Einzig das Bundesland Berlin macht eine Ausnahme.
Dies ist die erste Veranstaltung einer Reihe, in der wir uns über Armut und Armutsrisiken informieren wollen. An diesem Abend wollen wir eine Bestandsaufnahme machen und die Reihe planen.
- Wer ist in der Region betroffen?
- Wer ist im Risiko, betroffen zu werden? (Inflation, steigende Mieten und Energiekosten)
- Wie können wir diese Menschen erreichen mit Informationen?
- Mit konkreter Hilfe?
- Wie können wir diese Menschen motivieren, sich für die eigenen Rechte einzusetzen?
- Wie können wir diese Menschen zur Teilhabe an der Gesellschaft bringen?
- Welche Maßnahmen brauchen wir analog zum 9-Euro-Ticket, um diesen Menschen eine Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen?
Michael Schnitker wird an dem Abend ein kurzes Referat als Input halten. Danach können wir im Plenum oder in Kleingruppen die Diskussion beginnen. Und die Arbeit planen.
- Als Themen sind bisher folgende in der Debatte:
- Mieten und Wohnsituation in der Region
- Armut und Armutsrisiko (Berichte von Tafel, Sozialkaufhäusern etc.)
- Jugendliche und Studenten
- Energiekosten und Alternativen
- Soziale Kosten in kommunalen Haushalten?
Für die unterschiedlichen Themen haben wir Kontakt aufgenommen mit entsprechenden Organisationen und möglichen Referenten, weitere Vorschläge sind herzlich willkommen.
Was: Bündnistreffen Rosenheim gegen Armut
Wann: 23. 1. 2023, 19:00 Uhr
Wo: DGB-Haus Rosenheim, Brixstr. 2, 83022 Rosenheim

